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    Le francais en petit pas…
    Ein kurzer Abriss über unsere Entwicklung zur bilingualen Kita

    Der hohe Anspruch der Kita Püttlingen bezüglich Quantität und Qualität von Betreuung, Erziehung und Bildung, der sich zu Anfang zeigte in unserer Vorreiterrolle hinsichtlich Öffnungszeiten und Familienfreundlichkeit, wurde bis heute niemals aufgegeben, sondern stets weitergeführt und ausgebaut. Unser Ziel, eine nicht nur bilinguale, sondern bikulturelle Einrichtung mit der Begegnungssprache Französisch zu werden, ist die logische Konsequenz aus den Erkenntnissen der modernen kognitiven Psychologie einerseits sowie unserem pädagogischen Anspruch andererseits.

    Über den pädagogisch-psychologischen Sinn von Zwei- oder Mehrsprachigkeit, über Methoden zur Zweitsprachenvermittlung haben viele bedeutende Wissenschaftler aus aller Welt nachgedacht, geschrieben, geredet und diskutiert. Um eine zweisprachige Kindertageseinrichtung zu werden, ist es zwar nicht unabdingbar, aber sicherlich nützlich, sich auch mit diesen theoretischen Grundlagen vertraut zu machen. Entscheidend aber ist in der Praxis, es wirklich zu wollen, sich auf allen Ebenen darauf einzulassen, es zu tun.

    Im Folgenden möchten wir zunächst einen kurzen chronologischen Abriss geben, wie unser Weg vom "Projekt Französisch" zu einer Einrichtung verlaufen ist (und immer noch verläuft), die den Anspruch "bilinguale Kindertagesstätte" mit Fug und Recht nicht nur seit 2008 im Titel trägt, sondern in der Wortbedeutung tat-sächlich im Alltag lebt.

    Parallel zu den im Saarland durchgeführten Modellversuchen hat die Kita Püttlingen im Jahr 1999 erstmals eine Fachkraft für Französisch aus eigenen Mitteln eingestellt, um Französisch als zweite Begegnungssprache anzubieten. Seit 2000 wird aus den Mitteln des Austausch- projektes des Saarlandes mit dem Département Moselle eine zweite volle Stelle finanziert. Im Rahmen des regulären Personalschlüssels wurden nach und nach offene Stellen gezielt mit Fachkräften französischer Muttersprache besetzt, so dass heute fünf Personen mit zusammengerechnet vier vollen Stellen in der Einrichtung arbeiten. Bei sechs Gruppen heißt dies, dass auf jede Gruppe mehr als eine halbe "französische" Stelle kommt. Dies ist eine gute Basis, um zweisprachig zu arbeiten. Ziel ist, langfristig eine annähernd paritätische Besetzung zu erreichen.

    Unsere Methode ist das Zweisprachenmodell nach dem Immersionsansatz: Die Begegnung mit der französischen Sprache findet - nach dem Prinzip "eine Person - eine Sprache" - im Sprachbad statt; das heißt, Französisch ist nicht nur Begegnungs-, sondern Alltags- und Umgangssprache.
    Dies geschieht - von Erzieherinnen und Eltern zwar gewollt - stets nebenbei und natürlich im ganz normalen, alltäglichen Gruppengeschehen ebenso wie in gesonderten Angeboten für altershomogene Gruppen.
    Neben ihrer Muttersprache bringen unsere französischen Kolleginnen vor allem ihre Persönlichkeit und ihre Kultur in das Alltagsgeschehen ein. Den Kindern begegnet französische Lebensart - angefangen von Essgewohnheiten über den Kleidungsstil bis hin zum Erziehungsverhalten - als Alternative zur bisher erlebten und gewohnten. Im Laufe des Jahreskreises werden neben den deutschen Sitten und Gebräuchen stets auch die französischen miterlernt: der deutsche Muttertag und la fête des mères 2 Wochen danach, der heilige Nikolaus und Saint Nicolas, Christkind und Papa Noel etc. Zu jeder Veranstaltung, bei jedem Fest gibt es mindestens einen Beitrag in französischer Sprache. Daneben werden alle französischen Feste gefeiert: la fête des rois mit der Galette, la chandeleur mit Crêpes, lange, bevor es auch im offiziellen Saarland Usus wurde, das Musik-Fest unter reger Beteiligung von Eltern und Freunden, der 14. Juli, an dem die ganze Einrichtung bleu-blanc-rouge erscheint...

    So entsteht ganz von alleine eine natürliche Neugier auf unser Nachbarland und die dort lebenden Menschen. Veranstaltungen durch das Engagement der CEB im Austauschprojekt wie die Besuche von Monsieur Pomme Pomme oder des France Mobil, die Weihnachtsfeier mit französischen Märchenaufführungen oder Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten wie dem Parc Animalier in Lothringen tragen diesem Bedürfnis Rechnung.
    Aber auch in eigener Regie werden Ausflüge in die französischsprachige Region unternommen wie erst kürzlich der Besuch bei Monsieut Barré in Creutzwald mit seinen alten Handwerksgeräten oder einfach die alljährliche Fahrt der Vorschulkinder mit der Saarbahn nach Saargemünd, wo sie "echt französisch" auf dem Markt einkaufen und auf einem Spielplatz toben können, ...der sich von einem deutschen eigentlich gar nicht unterscheidet...!

    Seit 2010 haben wir eine Partnerschaft mit einer Ecole Maternelle in Creutzwald. Zuvor haben wir durch das Vorbereitungstreffen zur Partnersuche für das EU-Projekt Comenius 1, Kolleginnen von der Ecole Maternelle und Primaire Charlemagne in Nancy kennen gelernt, die wir mit zwei Kindergruppen in ihrem Schulalltag besuchen konnten. Zusammen mit der Schule in Nancy und weiteren Partnern aus Spanien, Italien und Rumänien beteiligten wir uns in den Jahren 2004 - 2007 an einem transnationalen Schulprojekt, das unseren bikulturellen Ansatz auf eine europäische Ebene ausdehnte.

    Bei aller Begeisterung, die diese Aktivitäten und - das sei nicht geleugnet - Anstrengungen auslösen, stellt sich die berechtigte Frage: Was bringt das?
    Neben dem Spaß und der Freude, der hohen Qualität von Bildung, dem Erwerb von Toleranz, Kontaktfreudigkeit und Offenheit für andere Kulturen stellt sich - sicherlich begünstigt durch die lange Verweildauer der Kinder in unserer Einrichtung - bis zum Schuleintritt ein erkennbarer Erfolg ein: Die Kinder verstehen ein Grundvokabular aus den Bereichen Essen und Trinken, Körperteile und Kleidung, Tiere und alltägliche Gebrauchsgegenstände, Farben und andere Adjektive. Sie können Familienmitglieder benennen und einfache Grüße, Wünsche und Höflichkeitsformeln aussprechen. Sie haben zahlreiche französische Kinderlieder, Reime und Spiele kennen gelernt, können einfachen Gesprächen in französischer Sprache folgen und je nach Veranlagung und Dauer der zweisprachigen Erziehung Französisch verstehen und später auch auf Französisch antworten. Seit dem Schuljahr 2002 erhalten die Kinder der Grundschule Püttlingen-Ritterstraße / Viktoria, die von den meisten Kita-Kindern besucht wird, ab der ersten Klasse Französischunterricht, sodass der Spracherwerb auf der im Vorschulalter gelegten Basis weitergeführt werden kann.

    Was sind die Voraussetzungen dafür, dass der Anspruch der Bilingualität tatsächlich Schritt für Schritt realisiert werden kann und nicht in einem beiläufigen, gut gemeinten, aber recht wirkungslosen "Französisch-Angebot" stecken bleibt?

    Wie bereits gesagt, muss es von allen in der Einrichtung wirkenden Kräften gewollt sein. Über einen gewissen Zeitraum ist es notwendig, sehr viel, um nicht zu sagen alle Energie in den Aufbau der Zweisprachigkeit zu setzen. Dies beginnt mit dem Träger, der sich nicht nur auf die zusätzlichen Möglichkeiten durch geförderte Projektstellen beschränkt und sozusagen darauf "ausruht", sondern sich ernsthaft darum bemüht, Fachkräfte mit französischer Muttersprache einzustellen und im regulären Stellenplan fest einzubauen. Eine Festschreibung des bikulturellen Ansatzes im pädagogischen Konzept, wie es bei uns geschehen ist, ist Voraussetzung und Garant für die Ernsthaftigkeit dieser Bemühungen auch über eine kurzfristige Mode hinaus.

    Der zweite und ganz wesentliche Anteil fällt den Eltern zu: Ohne die Bereitschaft und Offenheit der Eltern, sich auf dieses Experiment einzulassen, ist eine zweisprachige Einrichtung nicht zu führen. Hier sind natürlich die MitarbeiterInnen gefragt, nicht nur zu Beginn, sonder immer wieder zu informieren, zu werben, zu begeistern und mit der eigenen Freude am bikulturellen Geschehen die Kinder und über diese die Eltern "anzustecken". Elternbriefe, französische Lieder, französische Aufführungen bei Festen und die selbstverständliche Präsenz der französischen Kolleginnen gehören hierzu ebenso wie Informationen über die Bedeutung von Zweisprachigkeit für die kognitive Entwicklung und die nachhaltige Bildung der Kinder in unserer europäischen Gesellschaft, in ihrer Zukunft. In der Kindertagesstätte Püttlingen haben wir ein "goûter pédagogique" eingeführt, zu dem in unregelmäßigen Abständen Eltern, aber auch Lehrer, externe Referenten und sonstige Interessierte eingeladen werden, um in geselliger Runde pädagogische Fragestellungen (nicht nur) zum Bereich Zweisprachigkeit zu erörtern. Hinzu kommt intensive Pressearbeit, und mittlerweile gibt es (nicht nur von Hause aus zweisprachige!) Eltern, die das "Französisch-Angebot" nicht nur wohlwollend annehmen, sondern ihre Kinder explizit wegen des bilingualen Konzeptes bei uns anmelden.

    Entscheidend für das Gelingen des Konzeptes sind jedoch die MitarbeiterInnen des deutsch-französischen Teams. Ebenso notwendig wie die aktive Beschäftigung von Fachkräften mit französischer Muttersprache ist ein hoher Anspruch an die deutschen Erzieherinnen hinsichtlich Kompetenzen und Engagement, wie sie im regulären Kindergarten-Alltag nicht unbedingt erforderlich sind und auch selten eingeübt werden. Bei der Diskussion um einen qualitativen Ausbau der Erzieherinnen-Ausbildung müssen diese Aspekte unseres Erachtens verstärkt mit berücksichtigt werden, wenn eine Veränderung der frühkindlichen Bildung im Sinne eines Angleichens auf europäisches Niveau erreicht werden soll.

    Dies sind insbesondere folgende Notwendigkeiten:

    1. Das Team muss sich hundertprozentig mit dem Konzept identifizieren; Fortbildungen wie "Und was tue ich", die "Tandem-Ausbildung" etc. sind zu Beginn des Projektes hierzu äußerst hilfreich. Außerdem ist es erforderlich, das Konzept nicht von oben aufzupfropfen, sondern vom Team mitentwickeln und in den bisherigen konzeptionellen Ansatz (Situationsansatz) einfügen zu lassen.
    2. Neugier auf beiden Seiten hinsichtlich Arbeitsmethoden, Konzepten und Wertvorstellungen der "anderen" Kolleginnen; Offenheit und Toleranz gegenüber dem "anders Sein" und "anders Handeln"
    3. Bereitschaft zu fortwährender akzeptierender Kommunikation auch über Ängste, Unsicherheiten, Vorurteile und Missverständnisse; dies setzt Vertrauen voraus, und die Voraussetzung hierfür ist wiederum ein stabiles Selbstbewusstsein bezüglich der eigenen Kompetenzen.
    4. Vor allem aber: Die Idee muss in erster Linie als Bereicherung, nicht als zusätzliche Belastung gesehen werden.

    Gelingt dies, entsteht ein fröhliches, buntes, bereicherndes miteinander Arbeiten, das nicht zuletzt als Vorbild für die Kinder wirkt unter dem Motto, das das Motto unseres Comenius-Projektes war:

    Wir sind alle gleich, alle unterschiedlich, alle Freunde.
    Nous sommes tous les mêmes, tous différents, tous amis.

     

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